Viruswarzen
Viruswarzen
Viruswarzen sind durch Papillomviren (HPV) hervorgerufene Proliferationen der Haut, die meist gutartigen und selbstlimitierenden Charakter aufweisen. In bestimmten Ausnahmefällen können sie jedoch bösartig werden (maligne Entartung).
Es ist zwar weiterhin die Annahme aufrecht, dass diese maligne Entartung von Warzen nur sehr selten geschehe, aber man weiß heute, daß “high-risk-HPV” existieren, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung bestimmter Karzinome spielen. Solche high-risk-HPV rufen jedoch gewöhnlich keine Hauterscheinungen vom Typ klassischer Viruswarzen hervor.
Humanes Papilloma Virus (HPV)
Bis vor einigen Jahren glaubte man, dass nur ein oder wenige HPV-Typen existierten und die Vielfalt der klinischen Erscheinungsformen von Alter, Geschlecht, geographischer Verbreitung und auch von der Lokalisation am Körper abhänge.
Im Gegensatz dazu sind heute nahezu 50 HPV-Typen bekannt, die weitgehend mit klinischen Hautmanifestationen korreliert oder am Entstehen anderer Erkrankungen beteiligt sind.
high-risk-HPV-Serotypen :
HPV-5, HPV-8, HPV-16, HPV-18 und HPV-31 werden als high-risk-HPV hervorgehoben; sie kommen vorwiegend in sog. planen Kondylomen (Flachwarzen) vor und sind an der Entstehung des Zervixkarzinoms und anderer (Genital-)Karzinome beteiligt.
Eine weitere Gruppe von HPV-Typen führt bei Personen mit normaler Immunlage nur zu klinisch stummen Infektionen (keine Hauterscheinungen), bei Immunschwäche (AIDS, Leukämie, konsumierende Erkrankungen oder angeborene Immundefekte) jedoch zu extensivem Befall und bei Einwirken kokarzinogener Faktoren (UV-Licht!) häufig zu Plattenepithelkarzinomen der Haut.
Infektionswege, Epidemiologie :
Viruswarzen sind weltweit verbreitet, gehören zu den häufigsten Virusläsionen und treten vorwiegend im 2. Lebensjahrzehnt auf.
Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt mit Warzenträgern, aber auch über unbelebte Vektoren (Türgriffe, Besteck, Haushaltsgeräte, Schreibwaren, Schwimmbäder, Turnsäle etc.). Letzterer Infektionsweg ist sehr häufig, weswegen die Übertragung von HPV in Schulen und öffentlichen Sport- und Freizeitstätten epidemiologisch im Vordergrund steht. Direktübertragung ereignet sich über normale soziale (Händeschütteln) und sexuelle Kontakte. Sexarbeiter sind epidemiologisch zweifach involviert : Einerseits fungieren sie als “Sammelpool” für unterschiedliche HPV-Serotypen, weswegen sie als Vektor maßgeblich an der Übertragung von high-risk-HPV-Typen beteiligt sind, andererseits ist diese Berufsgruppe mit einem deutlich erhöhten Risiko einer HPV-induzierten malignen Erkrankung behaftet.
Bei Schleimhautwarzen erfolgt die Übertragung vorwiegend durch sexuellen Kontakt. Im Übrigen dringen Viren über kleine Hautverletzungen in die Basalschicht der Haut und infizieren dort die sog. Basalzellen. Die Inkubationszeit beträgt Wochen bis Monate, gelegentlich auch mehrere Jahre. Bei high-risk-HPV kommt es zur Aufnahme der Virus-DNA in die menschliche DNA (Inkorporierung der Virus-DNA und folgende Exprimierung derselben im Zuge der Differenzierung der Hornhautzellen).
HPV-Infektionen sind durch zwei bemerkenswerte Aspekte gekennzeichnet.
1. Neigung zur Spontanregression (Verschwinden) der Warzen :
Diese trifft vorwiegend auf die Warzen der Haut zu, kann nach Monaten oder Jahren erfolgen und ist wahrscheinlich auf immunologische Reaktionen zurückzuführen. Dieses spontane Verschwinden kann gelegentlich aussergewöhnlich schnell und an allen bestehenden Warzen gleichzeitig auftreten. Das Phämomen ist seit altersher bekannt und wird häufig als psychogen gesteuert interpretiert. Darauf basierend beruht die auch heute noch praktizierte Suggestivtherapie (Placebo-Effekt) der Viruswarzen, die die Pinselung der Warzen mit auffälligen Farben (z.B. Eosin) umfasst.
Etwas bizarrer mutet das “Besprechen” von Warzen an, soll aber im Einzelfall durchaus geholfen haben.
Jedenfalls ist das spontane Abfallen der Warzen mit bleibender Immunität verbunden.
Bei schlechter Immunitätslage (ca. 10% der betroffenen Schulkinder) kommt es zu multiplen Warzen, die über Jahre einen chronisch-rezidivierenden Verlauf nehmen können und schliesslich gleichfalls spontan abheilen.
2. Neigung zu subklinischer Infektion bzw. Viruspersistenz (keine Symptome bzw. Verbleiben des Virus im Körper) :
Die HPV-Infektion kann klinisch unauffällig verlaufen oder nach Spontanremission bzw. erfolgreicher Therapie weiterhin latent bestehen bleiben. Das Ausmaß der latenten Virusdurchseuchung der Bevölkerung mit HPV ist nicht bekannt aber zweifellos sehr hoch. Hierfür spricht auch das häufige Auftreten (40%) ausgedehnter Viruswarzen bei Absinken der Immunität (AIDS, Immunsupprimierte, Immunmangelerkrankungen..).
Klinische Bilder
1. Verrucae vulgares (gewöhnliche Hautwarzen)
Der häufigste Typ, hauptsächlich an Fingern und am Handrücken.
Halbkugelige oder flache derbe Knoten mit rauher Oberfläche. Sehr unangenehm im Bereich des Nagelbettes, weil bei der chirurgischen Entfernung (Veröden mittels Flüssigstickstoff und Ausschälen) die Gefahr der Verletzung der Nagelmatrix besteht (kein Nachwachsen des Nagels).
2. Verrucae plantares (Plantarwarzen der Fußsohle)
Einzeln oder in Gruppen angeordnet, oft sehr tief in die Basalschichten der Haut reichend, weswegen sie infolge des Gewichtsdruckes bisweilen recht schmerzhaft sind.
3. Verrucae planae (Flachwarzen)
Meist in großer Zahl vornehmlich im Gesicht und am Handrücken. Unterscheiden sich von der umgebenden Haut oft nur durch andere Pigmentierung, bei Männern gelegentlich auch an fokalem Ausbleiben des Bartwuchses und sind allenfalls als leichte Erhabenheit über dem Hautniveau tastbar. Sprechen auf Therapie i.d.R. rasch an.
4. Filiforme Warzen
Dünne, zapfenartige Gebilde, meist im Gesicht und am Hals
5. Condylomata acuminata (Feigwarzen)
Diese Erscheinungsform ist an feuchtwarmes Hautmilieu gebunden, dementsprechend treten sie, oft in großer Zahl, im Genitoanalbereich und in den Achselhöhlen auf.
Hautfarben, rötlich oder braun, erreichen sie beachtliche Größe und nehmen oft feigen- oder hahnenkammähnliche Gestalt an (Name).
Sie werden durch sexuellen Kontakt übertragen (GV, orogenital) und können einen hartnäckigen, chronisch rezidivierenden Verlauf nehmen. Bei starker Ausprägung und mangelnder Reinlichkeit kann es durch Sekretstau zu bakteriellen Superinfektionen und schmerzhaften Entzündungen kommen.
6. Condylomata plana (flache Feigwarzen)
Eine bis vor wenigen Jahren unbekannte Form. Es handelt sich um multiple, unscheinbare, flach erhabene Papeln am äußeren Genitale beider Geschlechter sowie v.a. intravaginal und an der Zervix.
Sie werden (no na) ebenfalls über sexuellen Kontakt übertragen, wobei die Infektiosität sehr hoch ist (ca. 60%).
7. Epidermodysplasia verruciformis (generalisierter Warzenbefall)
Hierbei handelt es sich um einen exzessiven generalisierten, jeglicher Therapie trotzenden Befall mit unterschiedlichen Warzentypen aller Art. Weite Teile der Extremitäten des Rumpfes und Kopfes können mit allen nur erdenklichen Warzen bedeckt sein.
Besonders häufig sind jedoch flache Warzen an den Beinen, die sich im Laufe von Jahren über den gesamten Körper ausbreiten.
Ursache ist ein spezifischer Immundefekt, der familiär gehäuft, jedoch ohne klar definierten Vererbungsmodus auftritt.
Wesentlich daran ist die besonders hohe maligne Entartung (bis 30%). Die Karzinome entwickeln sich an lichtexponierten Arealen (Unterarme, Gesicht) und beruhen wahrscheinlich auf einem kokarzinogenetischen Effekt von UV-Licht und HPV. Die für die maligne Entartung verantwortlichen Viren sind vermutlich HPV-5 und HPV-8. Auch bei Immundefizienz (AIDS, Immunsuppression,
Leukämie..) kann sich das Bild eines generalisierten Warzenbefalls entwickeln, der von dieser Erkrankung jedoch zu unterscheiden ist.
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